Theaterhaus Pina Bausch – Heimat für Tanzzentrum und Schauspiel

 

Es ist vollbracht, unser  OB Peter Jung (CDU),  Andreas Bialas (Landes-SPD) und die übrigen Förderer der Kunst und Kultur in unserer Stadt haben etwas Großes geleistet und offensichtlich (kultur)politisch ebenso große Gemeinsamkeiten. Wie sonst kann man es sich erklären daß alle, die jetzt die Erwähnung des Tanzzentrums Pina Bausch im Koalitionsvertrag in Berlin beklatschen, offensichtlich vergessen was dem Tanzzentrum vorher weichen mußte, was vorher geopfert, oder sagen wir vielleicht etwas deutlicher, zerstört werden mußte:  Das Schauspiel im Schauspielhaus.

Für das Tanzzentrum wurde vorher das Schauspiel geopfert

Nein, sie haben es natürlich nicht vergessen, sie wollen aber am liebsten nicht mehr darüber sprechen. Aber wir wollen darüber sprechen und gerade jetzt umso lauter je größer der Jubel über das Tanzzentrum ist.

Es stellt sich doch an dieser Stelle die Frage, wer  die Unterstützung aus Düsseldorf und Berlin  wirklich nötig hat. Das Tanztheater steht zwar nach dem Tod von Pina Bausch vor einer Neuorientierung, die Bewunderung und der Erfolg aber sind ungebrochen. Doch der Tanz ist auch nur eine Kunstform unter vielen im Bereich der darstellenden Künste, eine ungemein erfolgreiche zwar, aber ist sie  deswegen auch wichtiger und förderungswürdiger?

Es ist verständlich wenn im Bund auf die internationale Ausstrahlung der nationalen Kulturikonen geachtet wird. Das ist auch grundsätzlich begrüßenswert. Aber darf man dafür die kommunale Kultur, den städtischen Kulturbetrieb (vorher) derart aussaugen und ruinieren und sich dann als kulturbeflissene Retter des Schauspielhauses gerieren?

Sprechen wir es einmal aus: Das Schauspiel mußte erst aus dem Schauspielhaus verschwinden damit das Tanzzentrum kommen konnte. Diese der Stadtspitze von vielen Beobachtern schon lange unterstellte perfide Strategie bewahrheitet sich jetzt. Und die Dreistigkeit mit der dieser Plan nun durchgeboxt werden soll zeigt sich an der Eile mit der Herr Jung und Herr Nocke nun im Rat der Stadt Tatsachen schaffen wollen. Vielleicht wird schon am 16. Dezember im Rat darüber entschieden. Vielleicht wird die Stadt jetzt auf einmal auch wieder Geld locker machen können,  wo es  um einen solchen Leuchturm geht, einen kulturellen, einen internationalen Tanztempel. Das Schauspiel hingegen, so stand es einst  in einem Konzept der Wuppertaler Bühnen zum  Ratsbeschluß von 2006 solle “raus aus dem Tempel”  und hin zur kleinen bezahlbaren Form. Diese kleine bezahlbare Form haben wir jetzt bald und zwar in Gestalt einer umgebauten Lagerhalle hinter dem Engelshaus. Und künftig soll sich  das Schauspiel auch noch aus der Oper verabschieden.

Der Politik der künstlerischen Vorlieben nicht weiter tatenlos zusehen

Wir Wuppertaler dürfen dieser “Politik der künstlerischen Vorlieben” nicht weiter tatenlos zusehen. Was nicht genehm und nicht erfolgreich ist, wird zu Tode gespart. Dagegen müssen wir uns wehren. Wir fordern eine offene Theaterszene mit einem  Nebeneinander der verschiedenen Theaterformen auf Augenhöhe.  Ein “Theaterhaus Pina Bausch” als Heimstätte des Tanzzentrums und Schauspiels würde der kulturellen Zukunft  dieser Stadt den größten Gefallen tun. So könnten wir das künstlerische Erbe und Kapital unseres Landes ,welches auch in unserem städtischen Sprechtheater steckt,  am besten fördern.

“Man soll nicht aufhören zu denken, nur weil man kein Geld hat” oder so ähnlich sagte Herr Nocke kürzlich in der WZ.

Schön wärs…

Ein Kommentar von Stephan Rieck