Wuppertaler Rundschau: “Schauspielhaus: Sind die Ideen zu klein?”

Podiumsdiskussion vor dem Theater an der Kluse

Von Raina Seinsche

„Es ist zwar fünf nach zwölf, aber trotzdem lange nicht zu spät für das Wuppertaler Schauspielhaus“, erklärte Stephan Rieck von der Schauspielhaus Wuppertal Initiative (SWI) am Montagabend (31. März 2014) bei der Podiumsdiskussion vor dem Theater an der Kluse.

Volles Haus vor dem Schauspielhaus: Am Montagabend verfolgten mehr als 300 Theaterfans die kontroverse Diskussion um die Zukunft des Wuppertaler Sprechtheaters. Foto: Raina Seinsche

Über 300 Wuppertaler hatten sich eingefunden um zu zeigen, dass sie das Schauspielhaus noch lange nicht abgeschrieben haben. Auf der „Bühne“ hatten die Initiatoren Kulturengagierte aus Wuppertal sowie namhafte Intendanten aus ganz Deutschland versammelt. Darunter auch der mit viel Beifall bedachte frühere Generalintendant der Wuppertaler Bühnen, Holk Freytag, der die Einschätzung einiger Verantwortlicher, das Schauspielhaus sei zu groß für die Stadt, so quittierte: „Das Schauspielhaus ist eines der schönsten Häuser, die ich jemals kennen gelernt habe, und es ist für eine Stadt wie Wuppertal nicht zu groß, vielleicht waren nur die bisherigen Ideen zu klein. Wer diese Stadt liebt, der schließt nicht solch ein wunderbares Schauspielhaus“. Freytag verwies auf Weimar – eine Stadt mit einem großen Nationaltheater und nur 80.000 Einwohnern. Emotional auch die anderen Wortbeiträge: Vielfach wurde die „kulturelle Verwüstung“ und die „stiefmütterliche Behandlung“ der Schauspielsparte seitens der Stadt kritisiert, die sich nun in der Auflösung des Opern-Ensembles konsequent fortsetze. Nicht die finanzielle Armut der Stadt sei ursächlich für den Niedergang des Schauspielhauses, sondern die „Armut des Geistes der Entscheider“, so Freytag.
Eine gemeinsame Zukunft des Sprechtheaters und des Tanztheaters im wieder herzurichtenden Schauspielhaus kann sich Andreas Bialas, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag von NRW, vorstellen. „Der Förderschwerpunkt wird allerdings im Bereich eines neuen Tanzzentrums sein“, dämpfte er die Erwartungen.
Die wegen „Hinterzimmerpolitik“ kritisierte Stadtspitze, Kulturdezernat und Geschäftsführung der Bühnen, setzen auf eine neue Nutzung des Hauses als Tanzzentrum. Der offenen Podiumsdiskussion mit Wuppertaler Bürgern wollte man sich jedoch nicht stellen.

Wuppertaler Rundschau vom 2.3.2014